WARUM TRAGEN MALER WEISSE ARBEITSKLEIDUNG ??

Viele Praktiker reagieren äußerst verblüfft,wenn wir sie mit einer Frage aus ihrem Arbeitsbereich konfrontieren. »Darüber
habe ich noch nie nachgedacht«, ist die Antwort, die wir dann in den meisten Fällen zu hören bekommen.

Bei den Malern, die wir nach diesem Geheimnis befragten, war das anders. Zwar wußte keiner so ganz genau, woher diese Sitte stammt, doch wurden wir mit  Theorien, Mutmaßungen und Spekulationen über den Sinn und Zweck der »Weißmänner« geradezu überschüttet. Wir wandten uns zunächst an die Malerinnung, die diese Frage in ihrer Innungszeitschrift veröffentlichte. Die  Resonanz der Mitglieder war überwältigend. Wir möchten an dieser Stelle allen danken, die bei der Beantwortung dieser Frage mitwirkten.

Eine Begründung, die wohl bei allen Malern Zustimmung findet, ist die tatsache, daß Weiß mit Sauberkeit assoziiert wird. Und die Aufgabe eines Malers  besteht schließlich darin, Schmutz und alten Putz zu entfernen, bevor er die neue Farbe aufträgt. Viele Maler verglichen ihre Arbeitskleidung mit der von Krankenschwestern, Bäckern und Köchen. Der Maler Matt Fox aus  Philadelphia bezeichnete seinen »Weißmann« als eine Art Symbol, das sagt: »An mir klebt keine farbe, also mache ich meine Arbeit gut.« Und tatsächlich ist es ebenso schwer, Farbspritzer auf einer weißen Malerjacke zu verbergen wie Ketchupspritzer auf der weißen Schürze des Küchenchefs.

Die weiße Arbeitskleidung der Maler ist also ein Zeichen

· ihrer Professionalität, ein Zeichen, das sie von anderen Handwerkern unterscheidet. Ein Mitglied der Malerinnung schrieb uns, daß sein Vater zu Beginn  des Jahrhunderts oft mit Arbeitern zutun hatte, die nicht der Malerinnung angehörten und das Malerhandwerk in Schwarzarbeit neben ihrer Hauptbeschäftigung betrieben Diese Männer trugen bei der Malerarbeit ihre »Blaumänner« oder andere gewöhnliche Arbeitskleidung ;
- nicht jedoch die weiße Maleruniform. 
Und bis heute ist das noch so, Professionelle die etwas auf sich halten, tragen weiße Arbeitskleidung, selbst wenn sie auf die traditionelle schwarze Krawatte verzichten während »Aushilfs- oder Schwarzmaler« in der Regel in Jeans und T-Shirt anzutreffen sind

Selbstverständlich können auch andere Farben den Eindruck von Sauberkeit und Professionalität erwecken, und zugegebenermaßen erscheint Weiß im ersten Augenblick auch tatsächlich die falsche Farbe zu sein, denn jeder andersfarbige Fleck sticht auf weißer Kleidung besonders auffallend hervor Stimmt, aber bedenken Sie, daß Maler es in siebzig bis achtzig Prozent  aller Fälle mit weißer Farbe zu tun haben. Und welche Arbeitskleidung würde, mit weißer Farbe bekleckert, ordentlicher aussehen?

Zudem kommen Maler neben Farbe noch mit vielen anderen weißen Substanzen in Kontakt. Der Maler Serry DeOtis vermutet, daß der traditionelle »Weißmann« seine Ursprünge im England des achtzehnten Jahrhunderts hat, als man die Gebäude regelmäßig von dem Kohlenstaub reinwusch.  

Irving Goldstein aus New York teilte uns mit:

    »Gips, Kalk, Mörtel und Binder sind auch weiß. Beim Ausbessern und Sandstrahlen von Mauern entsteht feiner, weißer Staub - auf der weißen Arbeitskleidung fällt das überhaupt nicht auf. Deshalb tragen Maler Weiß.«

Und auch bei der Wäsche hat weiße Kleidung gegenüber farbiger einen Vorteil. Maler benutzen nämlich seit jeher Bleichmittel oder scharfe Laugen, um die Farbspritzer aus ihren Jacken und Hosen zu entfernen. Stellen Sie sich nur vor, wie ein dunkler Arbeitsanzug nach dieser Prozedur aussehen würde: verblichen, ausgewaschen, kurzum schäbig und abgetragen!

Andere von uns zu diesem Thema befragte Maler erwähnten zwei weitere Vorteile der weißen Kleidung: Sie ist zum einen preiswerter als gefärbte Kleidung und reflektiert im Gegensatz zu dunkler Kleidung das Sonnenlicht - ein anderer schätzbarer Vorteil besonders im  Sommer, wenn die Sonne vom Himmel knallt.